Was macht eigentlich der Direktor der Sparkassenakademie Niedersachsen?

01.12.2021 SVN

In unserer Serie „Was macht eigentlich…“ gehen wir spannenden Fragestellungen rund um Positionen, Organe und Gremien im Sparkassenverband und in unseren niedersächsischen Sparkassen auf den Grund.

Unser heutiger Gesprächspartner ist Dr. Dietmar Haase, Direktor der Sparkassenakademie Niedersachsen im Sparkassenverband Niedersachsen. Wir wollen von ihm wissen, was eigentlich seine Aufgaben sind und wie die Akademie mit der Digitalisierung umgeht. 

Porträt von Dr. Dietmar Haase. - Quelle: SVN, Insa Hagemann
Dr. Dietmar Haase
Direktor der Sparkassenakademie Niedersachsen

Herr Dr. Haase, was sind die Aufgaben einer Sparkassenakademie und was genau sind Ihre Aufgaben als Direktor?

Die Sparkassenakademie ist der Bildungsanbieter für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sparkassen und Verbundpartner in Niedersachsen. Sie hat ein breites Spektrum an Angeboten, das von der Prüfungsvorbereitung für Auszubildende über Trainings und Tagungen für Spezialisten bis hin zu Seminaren für oberste Führungskräfte und Vorstände reicht. Unsere Aufgabe ist es, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Instituten das Wissens und die Skills zu vermitteln, die sie benötigen um zum Erfolg ihrer Sparkasse beizutragen, aber auch um sich selbst persönlich und beruflich weiterzuentwickeln.

Das ist natürlich echte Teamarbeit. Bei uns arbeiten Trainer, Dozenten, Kollegen, die sich um Prüfungsbelange kümmern, die Teilnehmer einladen und digitale genauso wie Präsenzveranstaltungen vorbereiten. Meine Aufgabe als Akademiedirektors ist es Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen alle gut zusammenarbeiten können, sodass wir unseren Teilnehmern ein nachhaltiges Lernerlebnis, eine inspirierende Tagungserfahrung und ein wertvolles Seminar geben können. In normalen Jahren (ohne Corona) haben wir um die 18.000 Teilnehmertage und dahinter stehen 18.000 Erlebnisse rund um die Akademie, die wir möglichst positiv gestalten möchten. 

Seit wann sind Sie Akademiedirektor und was hat Sie dazu bewogen?

Ich bin seit 2010 Direktor der Sparkassenakademie und war vorher stellvertretender Leiter der Management-Akademie in Bonn. Wenn man eine solche stellvertretende Aufgabe einige Jahre macht, gewinnt man schon ein Gefühl dafür, ob man den Sprung in die Verantwortung für ein solches Haus machen will. Ich wollte das und kannte auch die Sparkassenakademie Niedersachsen durch meine vorherige Tätigkeit. Ich wusste bereits, dass dort ein hervorragendes Team zusammenarbeitet und war schon damals so begeistert für das Gebäude inmitten von Hannover, wie ich es heute noch immer bin. Ich finde, der Kubus, in dem die meisten Veranstaltungen der Akademie stattfinden und auch die Büros liegen, ist ein toller Lern- und Arbeitsort. Ich mag das Licht dort, die Farben und die verwendeten Materialien, die vielen Kunstwerke. Die Menschen und dieser Ort haben den Ausschlag für meine Entscheidung gegeben.

Gibt es ein besonderes Ereignis, was Sie nie vergessen werden?

Es gibt natürlich ganz viele Dinge, die mir bei dieser Frage durch den Kopf gehen, da läuft gleich ein ganzer Film ab. An ein ganz besonders schönes Erlebnis erinnere ich mich aus 2019. Wir haben damals unser erstes Azubi-Forum durchgeführt unter dem Motto „Stark starten bei der Nr. 1“. Ziel war es, den neuen Auszubildenden der Sparkassen einen Eindruck von der Größe und Vielfalt der Sparkassen-Finanzgruppe zu geben und sie für ihren neuen Arbeitgeber noch mehr zu begeistern, als sie es sowieso schon waren. Diese erste Durchführung war ein unerwartet großer Erfolg, wir hatten über 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer und als Stargast war Per Mertesacker da, der den jungen Menschen von seiner Zeit als Nationalspieler berichtete und ihnen Mut machte, an ihren eigenen Weg zu glauben. Mertesacker selbst galt in seiner Anfangszeit nicht gerade als Wunderkind des Fußballs. Während er sprach herrschte absolute Stille im großen Saal und danach gab es Standing Ovations. Ein toller Gänsehautmoment!

Gruppenbild vom Azubi-Forum 2019. - Quelle: SVN
Gruppenbild mit Per Mertesacker vom Azubi-Forum 2019.

Wie geht die Akademie mit der aktuellen technischen Entwicklung und digitalen Lernmöglichkeiten um?

Diese Frage ist für uns gerade ein sehr wichtiges Thema. Wir hatten im ersten Corona Jahr 2020 ein sehr steile Lernkurve zu den digitalen Lernmöglichkeiten. In 2019 waren erst 5 Prozent unserer Angebote digital, in 2020 bereits 54 Prozent. Wir haben dabei sehr viele verschiedene Lernformate ausprobiert, Webinare, Web-Based-Trainings und hybride Tagungen. Ohne jetzt auf jede dieser Formen einzugehen, alle haben ihre spezifischen Stärken und Schwächen, je nach Thema, Zielgruppe und Lernziel, genauso wie bei den Präsenzformaten. Unsere Devise für das nächste Jahr heißt deshalb: Mix it! Wir wollen eine gute Mischung von digitalen und face-to-face Angeboten schaffen, die das Erreichen der Lernziele unterstützt und zu den Menschen und Inhalten passt. Natürlich spielt dabei auch eine Rolle, dass in Niedersachsen als Flächenland die Anfahrtswege zum Teil beträchtlich und zeitaufwändig sind. 

Sehen Sie aktuelle Trends in der Personalentwicklung?

Ein ganz aktueller Trend ist, dass die Personalentwicklung in den Sparkassen immer stärker in die Verantwortung der Teams und der einzelnen Mitarbeiter gelegt wird. Das bedeutet, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter viel stärker als früher mitbestimmen und mitgestalten, welche Weiterbildungen sie absolvieren. Für uns als Akademie ist das natürlich eine ganz besondere Herausforderung. Wir müssen uns noch sehr viel stärker um die Sichtbarkeit bei jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter und die Bekanntheit unserer breiten Angebotspalette kümmern. Ein weiterer Trend ist, dass auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sparkassen sehr stark in den sozialen Netzwerken aktiv sind, auch hier müssen wir uns stärker positionieren.

Warum profitieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sparkassen, wenn Sie bei der Akademie eine Weiterbildung buchen anstatt bei anderen Anbietern?

Unsere Angebote sind maßgeschneidert für die Arbeit in den Sparkassen. Ein Beispiel: Wir arbeiten bei den neuen Software Releases sehr eng mit der Finanz Informatik zusammen, bekommen bereits während der Entwicklung neuer Module die Möglichkeit, Trainings zu entwickeln, die es Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ermöglichen, mit dem neuen Release gleich die neue Technik kompetent anzuwenden. Andererseits kann ich sagen, dass unsere Abschlüsse in der Aufstiegsweiterbildung, z. B. der Bankfachwirt oder Sparkassenbetriebswirt auch bei Wettbewerbern und in anderen Branchen eine hohe Anerkennung genießen. Das steht für uns zwar nicht im Fokus, aber es ist ein Beleg für die Qualität unserer Abschlüsse. Viele Hochschulen versehen deshalb auch unsere Abschlüsse in ihren Bachelorprogammen mit hohen Anrechnungen. Wir bieten also eine ausgezeichnete Qualität und hohe Praxisrelevanz für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sparkassen. 

Herr Dr. Haase, vielen Dank für das Interview.

 

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